knackige Alpenüberquerung 2026
TourenProfil
Dauer
12 Tage
Zeitpunkt
2026
Gebirge
Alpenüberquerung
Schwierigkeit
Schwer
Gesamtstrecke
160 KM
Aufstiegs-HM
15.200 Hm
Tag 1 – Garmisch – Wiener-Neustädter Hütte
8 km | ↑ 1390 Hm | ↓ 160 Hm | 3 ½ h
Wir starten zu unserer Mission der knackigen Alpenüberquerung ohne Aufstiegs- und Transferhilfen am Fuß des Wettersteingebirges. Aufgrund der Sperrung des Bayernsteigs geht es auch direkt mit einer Modifizierung los und wir starten ab Ehrwald statt vom Eibsee. Die windigen Verhältnisse sorgen für eine Startetappe mit wenigen Pausen. Die Ausblicke Richtung Garmisch-Partenkirchen und Eibsee sind dennoch gewaltig. Die rustikale Wiener-Neustädter Hütte hat ordentlich eingeschürt und wir erhaschen den besten Platz inkl. historischer Bergausrüstung und in Armlänge zum Getränkenachschub an der Theke bei den angenehmsten Temperaturen in der Hütte. Als vertrauensbildende Maßnahme schauen wir uns den Einstieg für die morgige Etappe bereits heute zwischen Kaffee mit Kuchen und Abendessen kurz an.
Tag 2 – Wiener-Neustädter Hütte – Zugspitze – Gatterl - Gaistalalm
15 km | ↑ 1360 Hm | ↓ 2190 Hm | 9 ½ h
Am zweiten Tag starten wir 05:45 Uhr nach kurzem selbstmitgebrachten Frühstück mit den Stirnlampen über den Stopselzieher. Wir erreichen am Vormittag den höchsten deutschen Berg – die Zugspitze auf 2962 m – und können unser Glück kaum fassen, dass kaum Andrang herrscht. Von der Zugspitze aus sehen wir auch bereits den Übergang für heute (das Gatterl) und morgen (die niedere Munde). Wir kehren auf der Zugspitze im Panoramarestaurant auf leckeren Kaffee aus der Siebträgermaschine mit einer zuckerhaltigen Schokoladenbeigabe ein. Nach dem locker-flockigen Geröllabfahren Richtung Schneefernerhaus, wandern wir in der weiteren Mondlandschaft zur Knorrhütte 2051 m und kehren für eine ausgiebige Mittagspause sowie Espresso ein, um den Koffeinhaushalt zumindest einigermaßen wieder in menschliche Sphären zu hieven. Wir gehen danach weiter Richtung Gatterl 2024 m und wechseln auf die grünere Seite des Wettersteins mit saftig-grünen Wiesen. Da wir gut in der Zeit liegen und aufgrund der unnachgiebigen Sonne einen brutalen Durst verspüren, können wir auch am Steinernen Hüttl noch einmal einkehren, bevor dann der letzte Abstieg zur Gaistalalm ansteht. Die Gaistalalm ist herrlich gelegen und wir genießen den Waschplatz an der 500 m entfernten Leutascher Ache wirklich so lautstark, dass es selbst der Hüttenwirt Nikolai noch hört. Wir tauschen mit dem Hüttenwirt abends sehr unterhaltsame Geschichten aus und er berichtet die sehr nachdrückliche Enttäuschung einiger Tagesgäste, wenn es keinen Avoado-Toast mit Lachs auf der Alm gibt.
Tag 3 – Gaistalalm – Niedere Munde – Zimmerbergklamm – Telfs
14 km | ↑ 760 Hm | ↓ 1490 Hm | 6 ½ h
Der dritte Tag ist bewusst etwas kürzer gehalten und so wandern wir entspannt über die Niedere Munde (2059 m), den niedrigsten Übergang in der Mieminger Kette, nach Telfs. Der Vormittag hält wunderschönstes sonnenverwöhntes und damit schweißtreibendes Bergwetter bereit. Dazu kommt, dass wir komplett allein unterwegs und keiner Menschenseele begegnen, was in Anbetracht des wundervollen Weges sicher ungewöhnlich ist. Dem nachmittags einsetzenden Niesel trotzen wir mit unseren farbenfrohen Regencovern und wir genießen den beeindruckend angelegten Weg durch die herrliche Zimmerbergklamm. Am Nachmittag nutzen wir die Möglichkeit im Hotel die Klamotten auszuwaschen und kehren abends überragend in Telfs ein.
Tag 4 – Telfs – Flauringer Alm
12 km | ↑ 1030 Hm | ↓ 40 Hm | 3 ½ h
Wir starten den heutigen Tag mit einem Frühstück beim Bäcker in Telfs bevor es über die Radbrücke nach Pfaffenhofen und im Anschluss aufgrund der Wetterbedingungen auch auf direktem Weg übers Flauringer Tal zur Flauringer Alm anstatt den längeren Weg über die Oberhofener Melkalm zu gehen. Wir sind auf dem gesamten Weg wieder mal komplett allein unterwegs und treffen an der Flauringer Alm durch ein deutlich überdurchschnittliches Tempo bereits vor der Mittagszeit ein. Nach der Einkehr teilen sich die Aktivitäten auf verschiedene Gruppen auf. Abends sind wir wieder vereint und gönnen uns abermals leckere Speisen mit einer statistisch bemerkenswerten Häufung bei Schnitzel mit Fritjes.
Bonus: Brechten
8 km | ↑ 830 Hm | ↓ 830 Hm | 3 ½ h
Zu viert geht es für die bewegungsaffinen Gäste am Nachmittag mit leichtem Gepäck hinauf zum Brechten 2419 m während die andere Kleingruppe wahnwitzige 200 m zur Oberhofer Galtalalm zurücklegt, um sich weiter mit Kaiserschmarrn, Kuchen und verschiedenen Schnäpsen für die unmenschliche Anstrengung zu belohnen.
Tag 5 – Flauringer Alm – Hocheder – Rietzer Grießkogel – Dortmunder Hütte
15 km | ↑ 1620 Hm | ↓ 1290 Hm | 9 h
Der heutige Tag hält einige alpine Schmankerl bereit und wir gehen anfangs noch in leicht nebligen Verhältnissen los zum Moosnieder 2688 m, wo wir die Rucksäcke deponieren. Auch wenn es ein langer Tag wird, nehmen wir unterwegs noch den Bonus in Form eines kleinen drahtseilversicherten Abstechers mit leichtem Gepäck zum Gipfel des Hocheder 2795 m mit. Nach dem Gipfelerfolg steigen wir zurück zu den Rucksäcken und ziehen weiter zum Rietzer Grieskogel 2884 m auf dem uns ein leuchtendes Gipfelkreuz empfängt. Im Anschluss gehen wir dann über einen nicht enden wollenden langen Hatscher zur Dortmunder Hütte im Kühtai. Hütte ist an der Stelle ggf. missverständlich, da es sich um einen aufwändig sanierten hotelartigen Prachtbau handelt.
Tag 6 – Dortmunder Hütte – Schweinfurter Hütte – Pforzheimer Hütte
17 km | ↑ 1770 Hm | ↓ 1400 Hm | 8 ½ h
Auch der sechste Tag ist relativ lang und so starten wir zeitig unseren Weg entlang am Speicher Finstertal 2309 m hinauf zur Finstertaler Scharte 2777 m, bevor wir an der Schweinfurter Hütte 2031 m zur Mittagseinkehr die Energiespeicher mit deftigem Kaspressknödel und leckerem Kaiserschmarrn wieder auffüllen. Danach führt uns der weitere Weg in steilen Tornanten hinauf zum Gleirschjöchl 2751 m ab wo man die Pforzheimer Hütte 2309 m bereits sehen kann. Dadurch fällt der Schlusssprint und das zügige Ankommensgetränk auf der Sonnenterrasse einfacher. Am Abend bekommen wir Halbpension und aus unerklärlichen Gründen werden wir beim Salat vergessen. Das Hüttenteam stellt uns entschuldigend eine (ganze!) sicherlich salatähnlich vitaminreiche Flasche hochprozentigen Obstler auf den Tisch und so nimmt der humorvolle Hüttenabend seinen Lauf. Auf der Hütte herrscht ungeachtet dessen auch eine wundersam entspannte und empathische Atmosphäre. Vielen Dank an das gesamte Hüttenteam!
Tag 7 – Pforzheimer Hütte – Zischgeles – Westfalenhaus
12 km | ↑ 1150 Hm | ↓ 1180 Hm | 7 ½ h
Für den siebten Tag war eine eher geruhsame Etappe über die Zischgenscharte 2934 m und die Schöntalspitze 3002 m geplant, allerdings ist dieser Weg durch einen wenige Tage vorher stattgefunden Felssturz nicht verantwortungsvoll begehbar. Wir gehen den längeren Weg übers Zischgeles 3004 m, wodurch wir auch immerhin einen 2 m höheren Gipfel als geplant überschreiten dürfen. Dadurch war das Gipfelpanorama sicherlich nochmal deutlich eindrucksvoller. Ich habe an dem Tag außerdem lernen dürfen, dass Haribo Pico-Balla augenscheinlich bei einigen als vollwertige Mahlzeit zählen mag. Man muss wohl nur genug davon futtern 🙂
Am Westfalenhaus gibt es wohlverdienten Kaffee und Kuchen auf der Sonnenterrasse. Wir lernen später, dass durch einen Schaden an der hütteneigenen Kläranlage das Team um Hüttenwirt Enrico extrem zu rudern hat und in wenigen Tagen gezwungen sein wird, die Hütte aufgrund der technischen Probleme vorzeitig für diese Sommersaison zu schließen, um durch Instandhaltungsmaßnahmen eine realistische Chance für die Wintersaison aufrechtzuerhalten. Wir wünschen gutes Gelingen und sagen herzlich danke für den rundum guten Service, der in Anbetracht der Situation kaum erwartbar wäre.
Tag 8 – Westfalenhaus – Lüsens – Franz-Senn-Hütte
13 km | ↑ 1030 Hm | ↓ 1300 Hm | 6 ½ h
Statt dem vereinbarten Thermofrühstück werden wir vom Hüttenwirt Enrico morgens noch persönlich versorgt. Er konnte aufgrund der technischen Probleme und der dadurch absehbaren Hüttenschließung nicht schlafen und hat uns stattdessen mit frischem Kaffee versorgt. Wir sind einigermaßen sprachlos.
Im Schein der Stirnlampen arbeiten wir uns zuerst den Wanderweg hinab nach Lüsens, um danach den Alpensalamandern ausweichend und mit dem Steinbock abklatschend wieder hinauf zum Horntaler Joch 2812 m zu steigen. Während wir vormittags nur mit leichtem Niesel konfrontiert sind, erleben wir den größten Teil des Unwetters sicher und gut versorgt auf der Franz-Senn-Hütte 2147 m.
Tag 9 – Franz-Senn-Hütte – Basslerin – Neue Regensburger Hütte
10 km | ↑ 860 Hm | ↓ 720 Hm | 6 h
Am neunten Tage haben wir wieder einmal grandioses Bergwetter. Vom Schrimmennieder 2714 m erklimmen wir noch kurzentschlossen den Gipfel Basslerjoch 2829 m, der uns einen wunderbaren Ausblick sowohl zurück zum Start des Wettersteingebirges als auch zum Ziel der nächsten Tage, die Überschreitung des Alpenhauptkamms in den Stubaier Alpen ermöglicht. Wir gehen an diesem Tag bewusst im sehr langsamen Regenerationstempo, um uns für den nächsten Tag vorzubereiten, der eine konditionell fordernde Etappe bereithält. An der Neuen Regensburger Hütte 2286 m angekommen, werden wir direkt von einem Filmteam überfallen und unsere Rampensau aka Toughest Firefighter Alive liefert direkt ein Interview ab. Wir sind gespannt wann die Reihe veröffentlich wird.
Tag 10 – Neue Regensburger Hütte – Dresdner Hütte – Sulzenauhütte
18 km | ↑ 1510 Hm | ↓ 1590 Hm | 8 ½ h
Der versprochene lange Wandertag beginnt mit einem überragendem Frühstück, was auch in vielen Hotels nicht gleichwertig aufgetafelt wird. Wir starten die Tour mit einem tollen Rückblick zur von der aufgehenden Sonne weichgezeichneten Neuen Regensburger Hütte. Wir gehen übers Grawagrubennieder 2880 m und machen unsere erste Pause am wundervoll gelegenen Mutterbergsee 2479 m. Neben Futter sind wir auch dringend auf weitere Sonnencreme angewiesen. Heute kennt die Sonne wirklich keine Gnade. Bei schweißtreibenden Bedingungen eilen wir weiter zur Dresdner Hütte 2302 m, wo wir auf der zwar riesigen aber brutal touristenüberströmten Sonnenterrasse, geradeso noch einige Schattenplätze für unsere Gruppe zur Einkehr für Spaghetti Bolo und Bananensplit ergattern. Der letzte Abschnitt führt uns von der Dresdner Hütte noch über das Peiljoch 2676 m zur sehnsüchtig erwarteten Sulzenauhütte 2191 m, bei nach wie vor gehisster Sachsen- sowie Leipzigflagge.
Tag 11 – SulzenauHütte – Signalgipfel – Becherhaus
8 km | ↑ 1780 Hm | ↓ 770 Hm | 6 ½ h
Der Hüttenwirt Florian hat uns zusammen mit seinem Team netterweise ein Thermofrühstück gezaubert und uns den Schlüssel für die Gaststube anvertraut. Aufgrund des tagsüber stärker werdenden Südföhns, was insbesondere für den ausgesetzten Grat in Richtung Bechergipfel unpraktisch wäre, frühstücken wir heute bereits besonders frühzeitig und starten unsere Königsetappe vorbei am idyllisch gelegenen aber immer noch nur in Dunkelheit von den Stirnlampen erhellten Grünausee 2330 m hinauf zur Seescharte. Wir gehen unterhalb vom Gamsspitzl vorbei hinauf zum Signalgipfel 3392 m, wo es zunehmend reindrückt und auffrischt. Den Alpenhauptkamm überquerend lassen wir aufgrund des Wetters und der eingeschränkten Sicht den Wilden Freiger links liegen und gehen direkt weiter zum Becherhaus 3195 m auf dem Bechergipfel. Wir werden herzlich empfangen und arbeiten uns an dem Tag durch mehrere Speisen und Getränke auf der Karte. Eine großartige Hütte mit super Service, leckerem Essen und in Summe mehr als geeignet um einen einmaligen Abschluss unserer Mission zu erleben.
Tag 12 – Becherhaus – Grohmannhütte – Maiern - Sterzing
8 km | ↑ 130 Hm | ↓ 1860 Hm | 5 h
Der Sonnenaufgang am Becherhaus ist immer etwas besonderes und so tobt sich unser Fotograf sichtlich aus die verschiedenen Stimmungen aus der Berg- und Gletscherwelt adäquat einzufangen. Ich empfehle allerdings trotzdem sich selber mal vor Ort ein Bild zu machen 😉 Wir steigen am letzten Tag nicht enden wollend – vorbei an Teplitzer Hütte und einkehrend in der schnuckeligen Grohmannhütte 2249 m – ab bis nach Maiern im Ridnauntal.
Herzlichen Glückwunsch an die gesamte Gruppe, die damit ohne jegliche Aufstiegshilfen oder Transfers allein zu Fuß von Deutschland über Österreich nach Südtirol gewandert ist und dafür über 15.000 Aufstiegshöhenmeter geleistet hat. Saustarke Leistung!
Ich bin sehr interessiert an Feedback zu dieser Tour, also schreibt ruhig was Euch beim Lesen gefallen hat, was Ihr an der Tour gegebenenfalls ändern würdet und was Ihr Euch für die nächsten Berichte wünscht.


